Im Erdgeschoss
gab es eine kleine, typisch kanarische Tapas Bar - schön für mich.
Die Terrasse war ideal für BBQ und herrliche Sonnenaufgänge. Für mich
war eher der Sonnenuntergang mit einem Bierchen oder Cocktail angesagt. Also,
uns gefiel die Wohnung und wir zogen ein. Hier wohnen wir bis heute.
Es ist so schön auf der Dachterrasse zu sitzen
und über ein Leben, nein nicht irgendeins, über mein Leben nachzudenken. In
fünf Monaten werde ich siebzig Jahre alt. Ich habe immer gedacht, dass ich
nicht einmal das Rentenalter erreichen würde.
Ich muss dankbar sein, dass ich noch so gut bei Gesundheit bin, und tatsächlich dem Klub der
Grufties angehören kann.
Nur, wenn ich darüber nachdenke, was ich eigentlich
auf dieser Welt gemacht habe, kommen mir keine umwerfenden Taten in den Sinn.
Obwohl ich
fünfzehn vollgestempelte Reisepässe habe, kommt es mir vor, als hätte ich noch
nichts von dieser Welt gesehen.
Ist mein Dasein auf dieser Welt umsonst gewesen? Wie heißt es doch: Ein
Mann muss in seinem Leben einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen und ein Haus
bauen. Ich hatte alle diese Sachen vollbracht, aber mit Einschränkungen.
Der Baum im Sinai war eingegangen, das Haus wurde versteigert und
meinen Sohn habe
ich durch mein Verschulden verloren.
Also habe ich eine große Null auf diesem Konto.
Ich weiß, dass er mit seiner Mutter und seinem neuen Vater hier auf den
Kanaren ist.
Auf der anderen Insel hat der Mann einen Handwerksbetrieb, also auch
ein Auswanderer. Von unserer Dachterrasse kann ich bei klarem Wetter hinüber zu
der anderen Insel sehen und denke oft daran, wie schön es wäre, könnte ich
dahin gehen und „Hallo“ sagen.
Doch ich will keine Wunden öffnen, denn das könnte schmerzen. Auch mir
tut es weh, doch meine Wunde ist schon sehr vernarbt.
Was habe ich versäumt?
Was habe ich mit meinen Töchtern, beziehungsweise mit meiner Tochter,
alles versäumt?
Wie wenig habe ich mich um meine Eltern gekümmert?
Habe ich nicht auch gewisse Vergehen begangen mit meiner Schmuggelei?
Als Entschuldigung kann nicht zählen, dass alleine in Deutschland mehr
Menschen an Lebensmittelvergiftung sterben als an verbotener Droge, nämlich
über 2000. Mir fällt nichts Schlimmes“ mehr ein.
Habe ich auch etwas Gutes in meinem Leben getan?
Und ob das in der Gesellschaft zählt?
Ich habe eine Hure geheiratet und versucht, ihr ein besseres Leben zu
ermöglichen. Ein Kind davor gerettet, dass es in seiner Heimat die Hölle gehabt
hätte. In Indien und anderen Ländern armen Menschen Geld und Essen gegeben.
In Ägypten für meine einheimischen Arbeitskollegen für mehr Lohn
gekämpft, den sie auch erhalten haben. Als Kneipenwirt in verschiedenen Ländern
Menschen, die nichts zu essen hatten, zu Tisch gebeten oder ihnen ihre Schulden
erlassen.
Einige ohne Geld mit dem Bus von Indien nach Deutschland befördert.
Viele Frauen glücklich gemacht ... Stopp!
Da muss ich mich etwas zurückhalten, denn ganz bestimmt waren auch
einige darunter, die ich durch mein Weglaufen oder Nichterscheinen eventuell
unglücklich gemacht habe.
Aber auf der anderen Seite, was haben Frauen mit mir gemacht? Ich höre mit
der Liste auf, denn das Leben kann man nicht Aufaddieren oder mit Plus und
Minus verrechnen. Die Zeit wird kommen und die Abrechnung wird bevorstehen. Ich
hoffe, dass das noch auf sich warten lässt! Denn laut meinem Sadu, dem heiligen
Mann aus Indien, werde ich ja direkt oder indirekt durch eine Frau noch zu
Reichtum gelangen, bevor ich dann ins Gras beiße.
Also nicht steinreich werden, dafür aber steinalt! Nur was versteht ein
indischer Sadu unter reich? Was unter alt? Ich lasse mich von meinem Schicksal
überraschen.
Das hat nichts mit Glück zu tun. Mehr mit Bestimmung, mit Karma. Gern wüsste
ich, was andere Leute von mir halten, doch man sagt es mir nicht. Die einzige
Person, die meint, dass sie mich kennt, ist meine ältere Tochter. Ich habe
Schriftstücke, mit denen ich beweisen kann, was damals ihre Mutter getan oder
auch nicht getan hat. Irgendwann werde ich ihr diese Sachen zukommen lassen. Oder
auch nicht. Vielleicht ist es besser, dass sie denkt, dass ihre Mutter eine
gute Frau war oder auch noch ist, denn ich weiß nicht, ob sie noch am Leben
ist.
Ich kann damit leben, dass ich der Schlechtere bin. Ich hatte andere
Dinge zu tun. Ich habe noch so viele Fragen, doch ich kenne keinen, der sie mir
beantworten könnte oder wollte.
In meinem Leben hatte ich sehr viele Tiefs wie auch Hochs, einige
Wünsche konnte ich mir erfüllen, sehr viele blieben offen.
Und an diesen, noch offenen Wünschen, muss man festhalten. Man muss
daran glauben, dass sie doch noch in Erfüllung gehen. Sie sind die Kraft und
der Motor zum Durchhalten. Auch ein indischer Sadu kann daran nichts ändern.
Hier auf der Insel, auf der Dachterrasse des Hauses, kann ich so schön
von vergangenen Zeiten träumen...........so viel für Heute.
Wenn sie mehr lesen möchten, bitte einfach "Mein Traum frei zu sein" in ihren PC eingeben oder zu ihrem "BUCH-LADEN" gehen und die ISBN Nummer sagen: 13-978-1482708202 oder 10-1482708205
dort haben sie die Wahl zwischen Taschenbuch und E-Buch.
Ich wünsche ihnen viel Spaß bei der Lektüre: "Mein Traum frei zu sein"
Ihr HIPPIE GURU.